Letzte Arbeitswoche war kurz, da wir am Mittwoch eine Erdbebenübung hatten und der Freitag ein Feiertag (Culture Day) war. Kurzfristig habe ich mich mit einem Freund (Marco) aus dem Wohnheim entschlossen, nach Nikko zu fahren und dort 2 Tage zu verbringen. Diese alte Stätte ist berühmt für ihre Tempelanlagen und für die außergewöhnlich schöne Landschaft. Der Kern der Tempelanlagen ist Teil des UNESCO Weltkulturerbes und die Berge von Nikko sind insbesondere im Herbst ein sehr beliebtes Ausflugsziel.
An unserem freien Tag sind wir nach Asakusa, dem ältesten Stadtteil Tokios gefahren. Zum einen wollten wir uns dort ein wenig umsehen und zum anderen kann man im Bahnhof von Asakusa den so genannten „All Nikko Pass“ kaufen. Dieses Ticket ermöglicht einem die verbilligte Fahrt von Tokio nach Nikko und man kann in Nikko umsonst alle Busse benutzen.
Nach der Besichtigung der Asahi-Brauerei und des Rotlicht- bzw. Vergnügungsviertels Asakusas haben wir uns wieder auf den Rückweg nach Higashimatusyama gemacht, da wir am nächsten Tag früh nach Nikko aufbrechen wollten (Aufstehen um 4 Uhr, …oh, oh).
Der 1. Tag in Nikko
Nikko liegt ca. 1000 m ü. NN und bei der Ankunft habe ich mich ein wenig wie im Skiurlaub gefühlt. Das Wetter war sonnig – kalt und auf den umliegenden Bergen lag sogar ein wenig Schnee. Nachdem wir unser Gepäck von einem freundlichen Japaner, dem Besitzer des kleinen Gästehauses das wir gebucht haben, abholen haben lassen, mussten wir uns erst einmal ‚orientieren’. Der Ausflug war relativ kurzfristig geplant (letztes Zimmer in Nikko bekommen!) und wir hatte kaum Zeit, um uns einen Plan zu machen und zu entscheiden, was wir wann machen wollen. Als wir etwas verloren am Busbahnhof standen und die Karten studierten, trafen wir glücklicherweise 4 unsere Mitpraktikantinnen, die schon einen Tag vor uns nach Nikko gefahren sind. Nach einem kurzen Frühstück haben wir uns dann entschlossen gemeinsam mit dem Bus in die Berge zu fahren, um von dort bergab zu den berühmten Wasserfällen zu wandern.
Auch wenn die herbstliche Färbung in den Bergen schon fast nicht mehr vorhanden war, gestaltete sich die Wanderung als sehr schön. Es tat gut, aus der Metropole Tokios zu kommen (größtes urbanisiertes Gebiet der Welt) und ein wenig Natur zu sehen. Wasserfälle, Birkenwälder, Berge, Seen und ein Moor haben die Wanderung sehr abwechslungsreich gemacht.
Am Abend nach unserer Wanderung haben wir dann zum ersten Mal in unserem Gästehaus eingecheckt. Da wir wortwörtlich das letzte Zimmer in Nikko bekommen haben, waren wir sehr positiv überrascht. Es stellte sich heraus, dass wir in einem Ryokan ein Zimmer ergattern konnten. Ryokans sind traditionelle japanische Herbergen. Die Zimmer sind mit Tatami-Matten ausgestattet (wie mein Zimmer im Wohnheim) und im japanischen Stil eingerichtet. Das bedeutet, dass man auf dem Boden an einem kleinen Tisch sitzen kann, unter dem eine Heizdecke liegt. Das Ehepaar, das dieses Ryokan fuehrt, war geradezu extrem nett und man wurde richtig ‚bemuttert’. Nachdem wir die traditionellen Hauskimonos angezogen hatten und unsere halb erfrorenen Füße unter den Tisch bzw. die Heizdecke gesteckt hatten, bekamen wir sofort eine japanische Nudelsuppe obwohl eigentlich kein Essen in dem Preis für das Zimmer enthalten war. Wir hatten großen Spaß in unserem Zimmer zu sitzen und möglichst „einheimisch auszusehen“. Nachdem wir die 3. Flasche Bier geordert hatten, wurde unsere Gastgeberin richtig besorgt und sie hat uns vor dem ‚heavy drinking’ gewarnt. Für einen Europäer ist es immer wieder erstaunlich, wie wenig die Japaner trinken und essen bzw. wie viel mehr man selbst iss und trinkt…
2. Tag Nikko
Erstaunlicherweise haben wir es geschafft, relativ früh aus dem Bett zu kommen und so fuhren wir zeitig mit dem Bus zu den Tempelanlagen. Diese sind sehr groß und weitläufig und gehören, wie schon gesagt, zu dem Weltkulturerbe der UNESCO. Eine der berühmtesten Attraktionen in Nikko, die man auch in Europa kennt, sind die 3 Affen, welche die Haltung des Buddhismus’ repräsentieren: Nichts Böses hören, nichts Böses sehen, nichts Böses sagen. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche beeindruckende Tempel und Schreine, die einen ganz besonderen Scharm ausstrahlen. Die fernöstliche Religion ist so andersartig und exotisch, dass man sich manchmal wie in einer anderen Welt fühlt. Wir hatten noch das Glück, eine Segnungsprzedur (jedenfalls interpretiere ich das so) und eine Hochzeit (das war eindeutig) mitzuerleben.
Auch wenn die Kultur so anders und faszinierend ist, stellt sich nach 3 Stunden Tempeln und Schreine das gleiche Gefühl ein, das man hat, wenn man in Rom Kirchen anschaut: „irgendwann ist es genug und es wiederholt sich nur noch“
Aus diesem Grund und weil wir noch eine lange Heimfahrt vor uns hatten, sind wir dann am Nachmittag wieder aufgebrochen. Nikko-Asakusa-Ueno-Ikebukuro-Higashimatsuyama war unsere Route. Erschöpft und mit vollen Speicherkarten unsere Kameras sind wir dann endlich am Abend in unserem Wohnheim in Higashimatsiyama angekommen.
Verfasst von kaiinjapan
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