DAHEIM!
April 5, 2008…so,
März 24, 2008
das vorletzte Wochenende ist vorbei und es wurde selbstverständlich ausgiebig genutzt. Morgen werde ich die letzten Pakete Richtung Heimat verschicken, damit mein Koffer die vorgeschriebenen mickrigen 23kg nicht überschreitet.
Nächstes Wochenende werde ich am Freitag meine Abschiedsfeier von der Firma haben und am Samstag geht’s zum Hanami.
Ich hoffe, dass ich vor lauter Abschiedsfeiern am Montag nicht meinen Flieger verpasse. Bin schon gespannt, ob ich das gute alte Deutschland wiedererkenne…
Das komplette Bilderalbum ist hier zu finden.
Was ist mit dem gaijin (Ausländer) passiert?
Januar 22, 2008Dass die Japaner zurückhaltende Menschen sind dürfte ja inzwischen bekannt sein. So hat es mich dann auch nicht verwundert, dass meine Kollegen größtenteils mein halb zerstörtes Gesicht ignoriert haben. Sobald ich ein irritiertes Gesicht sah, habe ich den Betroffenen sofort über meinen Unfallhergang aufgeklärt. Da gaijins (Ausländer) in Japan ein wenig den Ruf haben, sie würden sich gerne in Roppongi (Stadtteil Tokio) prügeln, wollte ich dieses Gerücht erst gar nicht aufkommen lassen.
Am Montag durfte ich die Erfahrung machen, in ein japanisches Krankenhaus zu gehen. In Higashimatsuyama gibt es das Bosch Health Center in dem auch die Frau meines Chefs arbeitet. Das erste Verwunderliche beim Betreten dieses Gebäudes ist, dass man erst mal seine Straßenschuhe ausziehen muss, um in krankenhauseigene Hausschuhe zu schlüpfen. Nachdem ich dies unter Kopfschütteln gemacht hatte, hat mich schon die Frau meines Supervisors empfangen. Die Untersuchung ging sehr schnell und es ist wohl nichts Ernstes.
Ich hoffe schwer, dass keine Narbe zurückbleibt und wenn doch dann sollte sie zumindest gefährlich aussehen
Sen (1000)
Januar 21, 2008Wow, es ist geschafft und der 1000. Besucher hat sich auf meine Seite verirrt!
Eigentlich sollte dieser Blog nicht mehr als ein Tagebuch für mich selbst sein, in das auch Interessierte mal reinschauen können. Das diese ganze Sache nun so viele Leser anzieht, freut mich sehr und motiviert mich gleichzeitig weiterzumachen.
…in diesem Sinne: Domo Arigato gozaimasu!
Shibuya Crossing im Regen
November 16, 2007Hier ist mal ein kleiner Eindruck von einer belebten Kreuzung Tokios am Samstag Abend…
Andre’ Länder…
November 16, 2007Meine Erkältung hat mich leider immer noch im Griff. Auch wenn in jedem Reiseführer steht, dass lautes Schnäuzen in Japan nicht gerne gesehen wird, habe ich dieses Gebot schon lange hinter mir gelassen. Anfangs habe ich noch versucht diese für Japaner unappetitliche Tätigkeit halbwegs versteckt durchzuführen aber irgendwann ging das nicht mehr und jetzt lasse ich meinen europäischen Gepflogenheiten freien Lauf.
Viele meiner Kollegen sind auch erkältet, was sie dazu bewogen hat, einen Mundschutz anzuziehen. Oft sieht man Bilder von Asiaten, wie sie mit Fahrrad und Mundschutz durch eine überfüllte Straße fahren. Vor meinem Aufenthalt aber ich immer geglaubt, der Mundschutz sei dafür da sich gegen Smok, Vogelgrippe oder sonstige Gefahren zu schützen. Dass man sich aber so etwas Unbequemes und wenig Schmückendes anzieht, um die anderen Menschen vor einem selbst zu schützen, war mir neu.
Es fügt sich jedoch gut in das Gesellschaftsverständnis der Japaner ein. Individualismus wird auch hier groß geschrieben aber dennoch ist jeder Teil einer größeren Gruppe, die es gilt zu schützen (und sei es von einem selbst). Dieses Phänomen zeigt sich auch in dem Umgang mit öffentlichen Einrichtungen. Es ist fast unmöglich in Japan (selbst in Tokio) einen Mülleimer zu finden und dennoch wird man kein einziges Stückchen Papier auf der Straße entdecken. Jeder Japaner nimmt seinen Müll mit nach Hause und sogar die Asche der Zigaretten wird von manchen Japanern in einem Taschenaschenbecher aufgefangen und zuhause entsorgt. Auch der Blick aus Zügen, U-Bahnen oder ähnlichem wird nicht durch verkratzte Scheiben oder Graffiti behindert. Die hiesigen Züge, stets komplett ausgelastet (zur Rush Hour zu 130%), sind absolut sauber und es liegt kein Müll herum.
Auch wenn Japan bei weitem nicht frei von Kriminalität ist, so spielt sie sich anscheinend in höheren Gefilden ab (Mafia, Korruption, etc.). Jedenfalls fühlt man sich in der dunkelsten Gasse im großen Tokio nicht unsicher und man hört und sieht auch kaum Polizeiautos mit Sirene. Vielleicht ist dies auch mit der Geschlossenheit und Heterogenität dieser Gesellschaft zu erklären. Jeder passt auf den anderen auf und jemand, der andere schädigt wird aus der Gruppe verbannt.
Japan ist nun kein perfektes Land und es gibt genauso viele Dinge, die hier falsch laufen wie in Europa oder dem Rest der Welt. Viele Eigenarten gehen einem Europäer auch gehörig auf den Geist aber dennoch kann man von diesen andersartigen Einstellungen und Handlungsweisen lernen oder sich einfach nur schön darüber wundern.
(Fast) ein Monat rum
Oktober 25, 2007Fast 1/6 meines gesamten Aufenthaltes ist jetzt schon fast vorüber. Zeit, mal wieder etwas zu schreiben.
Durch den Kauf einer Lampe und eines Tisches in japanischer Ausführung (15cm hoch) fühle ich mich in meinem Zimmer um einiges wohler und so langsam wird das Wohnheim zu meinem Zuhause.
Diesen Freitag habe ich meine Welcome Party, die meine Abteilung für mich organisiert. Ich wurde schon vorsichtig gefragt, ob ich trinkfest sei, so dass ich guter Hoffnung bin, dass der Abend sowohl feucht als auch fröhlich wird. Mein Supervisor hat außerdem eingeführt, dass sich mir jeden Tag einer meiner Kollegen vorstellen muss und mir erzählen soll, was seine (sind eigentlich nur Männer) Aufgaben sind. Ich hoffe, dass ich dadurch mehr zu tun bekomme, da die Arbeit momentan immer noch hauptsächlich aus Däumchendrehen besteht.
Am Sonntag Vormittag werde ich mit meinem Supervisor zum „Nissan Sales Festival“ fahren. Noch habe ich keine Ahnung, was der Grund dafür ist oder um was genau es sich darum handelt, aber ich freue mich dennoch schon darauf.
Letzte Woche war ich auch schon auf einem anderen „Business Trip“. Ein paar Kollegen, mein Chef und ich sind zur Tokio-Bucht gefahren und haben uns dort eine Firma angesehen, die unsere Logistik leitet. Dies beinhaltete eine Besichtigung des Containerhafens von Tokio und die Begehung eines riesigen Containerschiffs aus Thailand, auf dem der koreanische Kapitän uns in seinem interessanten Koreaner-Englisch die Navigation erklärte. Zum Mittag hat der Chef uns alle in ein angeblich italienisches Restaurant eingeladen, allerdings konnte der Koch seine japanische Herkunft nicht verleugnen und das hat man auch deutlich geschmeckt. Um einiges besser war das Abendessen, das aus Sushi und Asahi-Bier bestand. Auf ein Mal wurden die Japaner sehr locker und lustig. Ich weiß immer noch nicht, ob es an dem Bier lag oder an dem einsetzenden Feierabend. Kurz vor dem Sushi-Gelage durfte ich noch das legendäre japanische Prozedere des Visitenkartenaustauschens beobachten. Als Europäer kommt einen diese Art und Weise sehr exotisch und merkwürdig vor, so dass ich mich wie ein Tourist auf Safari gefuehlt habe, der gerade ein Rudel exotischer Tiere beobachtet und ihre Verhaltensweisen nicht zu interpretieren weiß. Nach dieser interessanten Erfahrung ging es dann, wie gesagt, zum gemütlichen und fischigen Teil des Abends über. Bei dieser Gelegenheit musste ich zur Belustigung aller zum ersten Mal „Uhni“ essen. Ein undefinierbares, schleimiges und orangefarbiges Etwas auf dem Sushi-Reisbällchen. Alle haben versucht mir zu erklären, was es ist und mir auch das englische Wort gezeigt, allerdings konnte ich damit nichts anfangen. Nach späteren Recherchen hat sich rausgestellt, dass Uhni irgendetwas vom Seeigel ist. Der Geschmack war ähnlich „interessant“, wie die fermentierten (= verschimmelten) Sojabohnen, die ich schon essen musste, aber dafür bin ich jetzt ein wenig schlauer.
Am Mittwoch hatte ich meinen ersten echten Japanischunterricht. Die Lehrerin ist sehr nett, allerdings ist es nicht leicht die Wörter zu lernen, da absolut keine Verbindung zu germanischen oder romanischen Ausdrücken existiert. Eine weitere Eigenart, die es erschwert die Japanische Sprache zu erlernen, sind die vielen verschiedenen Höflichkeitsformen. Abhängig vom Alter bzw. Rang des Gesprächspartners müssen jeweils andere Ausdrücke benutzt werden. So existieren Wörter, die keinerlei konkrete Bedeutung haben, die jedoch für die Höflichkeit bzw. Ehrerbietung unerlässlich sind. Da wir Praktikanten jedoch immer die Jüngsten in der Firma sind, lernen wir stets die höchste Höflichkeitsform.
Auch wenn es tagsüber immer noch erstaunlich warm ist (ca. 22 Grad C), so zieht das Wetter, insbesondere nachts, langsam an. Angeblich soll es jedoch nie unter 0 Grad werden, so dass ich auch über den Winter hinweg mit meinem neuen, aber schon klapprigen, Fahrrad zu Arbeit radeln kann.
Heute habe ich zum ersten Mal mein Gehalt bekommen. Es wird sich herausstellen, in wie weit das Geld für die Lebensverhältnisse vor Ort ausreicht, aber wenn man vom Nachtleben in Tokio oder sonstigen Reisen mal absieht, ist das
Leben in Japan nicht so teuer wie erwartet. Noch esse ich im Wohnheim zu Abend allerdings gibt es Mahlzeiten, die sehr „grenzwertig“ sind. Das Frühstück, bestehend aus Suppe, grünem Tee, Fisch, Algen, Reis etc., habe ich schon aufgeben und durch längeren Schlaf und einen Kaffee ersetzt. Den Kaffee muss ich mir jedoch mittels meines neu erstandenen „Filterhalters“ selbst kochen. Auch wenn das etwas umständlich und weit von einem guten Cappuchino entfernt ist, genieße ich das kleine Stück westliche Zivilisation jeden Morgen auf’s neue.
![]()
Neben dem schon erwähnten Kaffeefilterhalter bin ich außerdem noch stolzer Besitzer eines neuen Prepaid Handys. Ohne so etwas geht in Japan noch weniger als in Deutschland. Mein Chef hat mich ganz ungläubig angeguckt, als ich ihm keine Handynummer nennen konnte (deutsche Handys funktionieren in Japan nicht). Der Kauf war so kompliziert und mühselig, dass es sich nicht lohnt davon weiter zu berichten (bzw. ich keine Lust habe, ein Buch darüber zu schreiben). Soviel sei jedoch gesagt: Nach 4 Faxen, 5 Telefonaten mit der Telefongesellschaft und einem 1 stündigen Aufenthalt im Laden beim Kauf des Handys funktioniert es immer noch nicht! Angeblich liegt es an meiner temporären Alien-Card (nein, nicht Außerirdischer, sondern in Japan lebender Ausländer). Ich hoffe, dass sich das Problem löst, wenn ich im Besitz des endgültigen Dokumentes bin. Wahrscheinlich ist es nur ein kleines Problem, jedoch gestaltet sich die Kommunikation als sehr mühselig, wenn die Japaner kein Wort Englisch bzw. Deutsch können und ich kein Wort Japanisch spreche (aber das ändert sich ja bald…).
In diesem Sinne,
Shitsureishimasu!
Das erste Beben
Oktober 18, 2007Ab gestern Abend kann ich noch eine weitere Attraktion Japans auf meiner Liste abhaken. So ca. um 22 Uhr Ortszeit hat die Erde unter meinen Füßen gewackelt. Am Anfang dachte ich, es sei ein Zug oder LKW, der in der Nähe vorbeifährt aber die Charakteristik der Bewegung war anders (abgesehen davon, dass keinen Züge vor meinem Wohnheim fahren). Es ist nichts Tragisches passiert, aber man konnte richtig die Amplitude des Bebens spüren und das Zittern dauerte 2-3 Sekunden an.
Ich hoffe, die Erde ist nun wieder etwas entspannter – ich bin es jedenfalls wieder.


Verfasst von kaiinjapan
Verfasst von kaiinjapan 
Verfasst von kaiinjapan 