Januar 28, 2008

Wenn 2 übergewichtige Männer sich gegenseitig schupsen bis einer im Sand liegt, dann muss sie diese Szene nicht zwangsläufig an einem überfüllten Strand von Mallorca ereignen. Ein anderer Ort, an dem man dies beobachten kann, ist das Ryogoku Kokugian in Tokio.

In dieser Arena findet 3 mal im Jahr der japanische Sumowettkampf statt. Dieser Sport kann auf eine lange Tradition blicken und ist eng mit dem shintoistischen Glauben verknüpft. Glücklicherweise war es 2 meiner Mitbewohner und mir möglich, an die begehrten Karten zu kommen. So machten wir uns letzten Samstag mit viel Verpflegung in den Rucksäcken auf nach Tokio, um diesen ur-japanischen Sport kennenzulernen. Die Wettkampftage sind so gestaltet, dass die besten Kämpfer am Ende des Tages antreten. Der Kampf an sich geht sehr schnell. Die beiden Kontrahenten versuchen ihren Gegner entweder aus dem Ring zu befördern oder ihn zu zwingen mit einem anderen Körperteil als die Fußsohlen den Boden zu berühren.
Da es keine Gewichtsbeschränkung gibt, ist es essentiell für die Kämpfer so viel Masse wie möglich aufzubauen. Nichtsdestotrotz kann ein solcher Brocken recht schnell und agil sein.

Vor dem Start des Kampfes werden verschiedene Rituale ausgeführt. Zum Beispiel werfen die Ringer Salz in den Ring, um ihn rituell zu reinigen oder sie spuelen ihren Mund mit speziellem „Kraftwasser“, was ebenfalls eine Reinigung darstellt.
All dies, die Stimmung in der Arena und unsere „Verpflegung“, machten aus dem Sumobesuch eine sehr kurzweilige und äußerst interessante Veranstaltung.
Mehr Bilder hier!
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Japaner, Tokio |
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Verfasst von kaiinjapan
Januar 22, 2008
Dass die Japaner zurückhaltende Menschen sind dürfte ja inzwischen bekannt sein. So hat es mich dann auch nicht verwundert, dass meine Kollegen größtenteils mein halb zerstörtes Gesicht ignoriert haben. Sobald ich ein irritiertes Gesicht sah, habe ich den Betroffenen sofort über meinen Unfallhergang aufgeklärt. Da gaijins (Ausländer) in Japan ein wenig den Ruf haben, sie würden sich gerne in Roppongi (Stadtteil Tokio) prügeln, wollte ich dieses Gerücht erst gar nicht aufkommen lassen.
Am Montag durfte ich die Erfahrung machen, in ein japanisches Krankenhaus zu gehen. In Higashimatsuyama gibt es das Bosch Health Center in dem auch die Frau meines Chefs arbeitet. Das erste Verwunderliche beim Betreten dieses Gebäudes ist, dass man erst mal seine Straßenschuhe ausziehen muss, um in krankenhauseigene Hausschuhe zu schlüpfen. Nachdem ich dies unter Kopfschütteln gemacht hatte, hat mich schon die Frau meines Supervisors empfangen. Die Untersuchung ging sehr schnell und es ist wohl nichts Ernstes.
Ich hoffe schwer, dass keine Narbe zurückbleibt und wenn doch dann sollte sie zumindest gefährlich aussehen
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Allgemein, Japaner |
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Verfasst von kaiinjapan
November 16, 2007
Meine Erkältung hat mich leider immer noch im Griff. Auch wenn in jedem Reiseführer steht, dass lautes Schnäuzen in Japan nicht gerne gesehen wird, habe ich dieses Gebot schon lange hinter mir gelassen. Anfangs habe ich noch versucht diese für Japaner unappetitliche Tätigkeit halbwegs versteckt durchzuführen aber irgendwann ging das nicht mehr und jetzt lasse ich meinen europäischen Gepflogenheiten freien Lauf.
Viele meiner Kollegen sind auch erkältet, was sie dazu bewogen hat, einen Mundschutz anzuziehen. Oft sieht man Bilder von Asiaten, wie sie mit Fahrrad und Mundschutz durch eine überfüllte Straße fahren. Vor meinem Aufenthalt aber ich immer geglaubt, der Mundschutz sei dafür da sich gegen Smok, Vogelgrippe oder sonstige Gefahren zu schützen. Dass man sich aber so etwas Unbequemes und wenig Schmückendes anzieht, um die anderen Menschen vor einem selbst zu schützen, war mir neu.
Es fügt sich jedoch gut in das Gesellschaftsverständnis der Japaner ein. Individualismus wird auch hier groß geschrieben aber dennoch ist jeder Teil einer größeren Gruppe, die es gilt zu schützen (und sei es von einem selbst). Dieses Phänomen zeigt sich auch in dem Umgang mit öffentlichen Einrichtungen. Es ist fast unmöglich in Japan (selbst in Tokio) einen Mülleimer zu finden und dennoch wird man kein einziges Stückchen Papier auf der Straße entdecken. Jeder Japaner nimmt seinen Müll mit nach Hause und sogar die Asche der Zigaretten wird von manchen Japanern in einem Taschenaschenbecher aufgefangen und zuhause entsorgt. Auch der Blick aus Zügen, U-Bahnen oder ähnlichem wird nicht durch verkratzte Scheiben oder Graffiti behindert. Die hiesigen Züge, stets komplett ausgelastet (zur Rush Hour zu 130%), sind absolut sauber und es liegt kein Müll herum.
Auch wenn Japan bei weitem nicht frei von Kriminalität ist, so spielt sie sich anscheinend in höheren Gefilden ab (Mafia, Korruption, etc.). Jedenfalls fühlt man sich in der dunkelsten Gasse im großen Tokio nicht unsicher und man hört und sieht auch kaum Polizeiautos mit Sirene. Vielleicht ist dies auch mit der Geschlossenheit und Heterogenität dieser Gesellschaft zu erklären. Jeder passt auf den anderen auf und jemand, der andere schädigt wird aus der Gruppe verbannt.
Japan ist nun kein perfektes Land und es gibt genauso viele Dinge, die hier falsch laufen wie in Europa oder dem Rest der Welt. Viele Eigenarten gehen einem Europäer auch gehörig auf den Geist aber dennoch kann man von diesen andersartigen Einstellungen und Handlungsweisen lernen oder sich einfach nur schön darüber wundern.
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Allgemein, Japaner |
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Verfasst von kaiinjapan
Oktober 30, 2007
Letzten Freitag hatte ich nun endlich meine Welcome Party. Naja, es war nicht nur meine Party. Eine Kollegin meines Büros hat sich verabschiedet und außer mir ist noch eine aus Korea stammende Chinesin zur Abteilung hinzugekommen.
Für uns 3 wurde daher nach der Arbeit ein größeres Restaurant gemietet und so richtig gefeiert. Es gab allerlei japanische Köstlichkeiten wie Krabben, Sashimi (roher Fisch), Sake und sonstige nicht definierbare Dinge. Desweiteren gab es diverse Reden der Vorgesetzten und jeder von uns dreien musste sich vorstellen, wobei ich das auf Englischen machen durfte.
Um halb neun (wir hatten um 18h begonnen) war alles verspeist und die Gesellschaft hat sich langsam aufgelöst. Als ich vor dem Eingang des Restaurants so langsam mit den Verabschiedungen fertig war, wurde ich zur Seite genommen und ein jüngerer Kollege hat mit „second party“ zugeflüstert.
Lange Rede, kurzer Sinn: Der harte Kern (ca. 8 Leute) der Gesellschaft, inklusive mir, ist also in einer kleiner altmodischen, aber stilvollen, Kneipe ‘versackt’. Leider konnte ich es nicht verhindern, dass ich das obligatorische Karaoke mitmachen musste. Auch wenn meine Gesangskünste eher bescheiden daherkommen, waren meine japanischen Kollegen begeistert, da endlich jemand englische Lieder sang, die sie sehr gerne hören, sich aber nicht zu singen trauen.
Leider habe ich von dem offiziellen Essen keine Bilder, aber ein paar Karaoke Bilder sind hier zu finden.
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Arbeit, Japaner |
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Verfasst von kaiinjapan
Oktober 12, 2007
Und es gibt doch ein’s!
Ein Land, das noch exakter Müll trennt als Deutschland.
In meinem Flur im Wohnheim hat man die Auswahl von X verschiedene Tonnen, in denen man seinen mannigfaltigen Müll beseitigen soll. PET-Flaschen, die Etiketten der PET-Flaschen, PVC, sonstige Folie, Papier, Dosen, Restmüll sind nur einige Auswahlmöglichkeiten. Es gibt auch Behälter, die für meine Augen die gleichen Plastikfolien enthalten, aber die japanischen Zeichen der Beschriftungen sind dennoch unterschiedlich.
Aufgrund dieser Akribie gibt es in den Innenstädten kaum Mülleimer. Da die Japaner es so genau nehmen, müsste nicht ein Eimer an jeder Ecke stehen, sondern eben 10, um allen Abfallarten Rechnung zu tragen. Wenn man also in Tokio unterwegs ist und man will seinen Müll los werden, kann das zu einem Problem werden.
Auch in anderen Belangen wird deutlich, wieso die Klimakonferenz in Kyoto stattfand. Zur Mittagszeit wir in meinem Büro das Licht ausgeschaltet, so dass man am 12 Uhr im Dunkeln sitzt. Außerdem muss man es sich zweimal überlegen etwas auszudrucken, da das nicht so gerne gesehen wird.
Auch wenn ich nicht weiß, ob dafür ökonomische oder ökologische Gründe eine Rollen spielen, ist noch interessant, dass die Taxis in Japan mit Flüssiggas fahren. Was an und für sich vielleicht eine gute Idee ist, kann sich als ungünstig rausstellen wenn man mit viel Gepäck unterwegs ist. Fast der gesamte Kofferraum wird nämlich von dem Gastank beherrscht.
Für mich ist die Umweltliebe der Japaner aber auch von Vorteil. Alle Waschmaschinen waschen nur mit kaltem Wasser. Das bedeutet, ich kann es kaum schaffen, meine weißen Hemden aus versehen rosa zu färben!
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Verfasst von kaiinjapan
Oktober 10, 2007

Die Arbeit ist bis jetzt noch nicht all zu aufregend, da ich mich erst in die Materie einlesen muss, bevor mich die Japaner etwas richtiges arbeiten lassen.
Ich arbeite in der Abteilung, die den tollen Namen PUE11 trägt, was sich wohl irgendwie aus den Wörtern Purchasing und Engineering ableitet. So weit ich meinen Chef verstanden habe (und das war nicht einfach!) werde ich mich in nächster Zeit um die Lieferanten kümmern, die nicht aus Japan sind. Unter diesen „oversea suppliers“ gehören zum Beispiel Firmen aus Thailand oder Indien. Ich kann nur hoffen, dass die Englischkenntnisse in diesen Ländern etwas ausgeprägter sind als im schönen Nippon.
So weit ich das in der kurzen Zeit beobachten konnte, unterscheidet sich das Büroleben in Japan doch erheblich von dem Arbeitsalltag in Deutschland. Das erste, was einem Europäer auffällt ist, wie ruhig es in den Büros zugeht. Ich weiß nicht, ob das in ganz Japan so ist, oder nur eine Eigenart dieser Firma, aber auf jeden Fall ist es sehr gewöhnungsbedürftig. Mit den Kollegen wird sehr wenig gesprochen bzw. diskutiert und wenn, dann fast nur im Flüsterton. Mein Tischnachbar gegenüber hält sogar die Hand von den Hörer, wenn er telefoniert. Ich habe jeden Tag ein schlechtes Gewissen, wenn ich mein „Good Morning“ (ja, ich kann’s immer noch nicht auf Japanisch sagen) ausspreche, da dadurch irgendwie die Stille gestört wird. Wenn man durch das Großraumbüro läuft, das nebenan ist, glaub man, man sei allein – obwohl ca. 40 Leute darin arbeiten.
Eine weiter Eigenart ist, dass man immer auf einer großen Tafel dokumentieren muss, ob man gerade auswärts oder im Büro ist. Im Falle eines Erdbebens weiß man somit wen man noch in den Trümmern suchen sollte und wen nicht.
Was meinen persönlichen Arbeitsablauf empfindlich stört ist, dass Japan alles andere als eine Kaffeenation ist. Hier dominiert eindeutig der Tee (leider immer ‚grün’ und nicht ‚schwarz’). Kaffee gibt es nur im Automaten und der ist sehr bescheiden. Immerhin weiß ich jetzt, dass Büroangestellte auch ohne Kaffee auskommen können, aber vielleicht sind sie ja deshalb so leise.
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Arbeit, Japaner |
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Verfasst von kaiinjapan
Oktober 8, 2007
Wie das Zimmer, so hat auch das Bad so seine Eigenheiten. Im gesamten Duschsaal sind alle Spiegel auf Kniehöhe angebracht. Was den Europäer zunächst wundert, ist in Japan ganz normal. Hier wird im Sitzen geduscht und danach geht man in die sehr heiße Gemeinschaftsbadewanne. Dabei muss man beachten, dass während man auf seinem kleinen Hocker sitzt jeglicher Schaum weggespült worden ist, bevor man in die Wanne darf. Mit Schaum im Haar, oder sonst wo, in das saubere Wasser der Wanne zu steigen wäre genauso schlimm, wie in der Toilette nicht die dafür extra vorgesehenen Toilettenschuhe anzuziehen.


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Japaner, Wohnheim |
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Verfasst von kaiinjapan